Was ist Diabetes?
Was ist Diabetes?

Der Körper braucht Insulin

Fehlt dem Körper Insulin aufgrund einer krankhaften Zerstörung der insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse - auch Beta-Zellen genannt - gelangt zu wenig, im Extremfall sogar keine Glukose in die Zellen. Nach dem Essen bleibt der Blutzucker erhöht, denn den Gehirn- und Muskelzellen fehlt Insulin als Schlüssel, um die Zellmembranen für die Energiezufuhr aufzuschließen. Starker Durst, häufiges Wasserlassen (Harndrang), rasanter Gewichtsverlust und eine nachlassende körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sind deutliche Anzeichen für einen sich rasch entwickelnden Typ-1 Diabetes.

Grund für den starken Harndrang ist eine erhöhte Zuckerkonzentration im Urin. Um diese Konzentration auszugleichen mischt der Körper vermehrt Wasser in den Urin, was wiederum ursächlich für den übermäßigen Durst ist. Weil der aufgenommene Zucker nicht in die Körperzellen gelangt, kommt es häufig zu einer enormen Gewichtsabnahme, da die benötigte Energie aus den Fettreserven gewonnen wird. Das Schwächegefühl ist ebenfalls auf Zuckermangel zurückzuführen, da Zucker für die Hirnleistungen von entscheidender Bedeutung sind.

Es wird davon ausgegangen, dass es auf Basis einer genetischen Veranlagung auslösende Faktoren gibt, vor allem Virusinfektionen, eventuell auch Ernährungsfaktoren. Diese führen über eine fehlgeleitete Immunreaktion zur Zerstörung der körpereigenen insulinproduzierenden Zellen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Autoimmunerkrankung. Bei Typ-2 Diabetes wiederum sprechen die Körperzellen genetisch bedingt sowie in Folge von Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel weniger auf Insulin an.

Was ist Diabetes, wie viele Menschen sind betroffen?

Die vielfältigen Störungen des Glukosestoffwechsels gehören weltweit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen.
Diabetes mellitus wird im Alltag auch als "Zuckerkrankheit" bezeichnet. Sie umschreibt als Sammelbegriff jedoch verschiedene Störungen des Zucker- oder Glukosestoffwechsels die grundsätzlich in jedem Lebensalter und unabhängig vom Geschlecht auftreten können. Die dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerte sind der wichtigste Indikator.

Erste Berichte von einem gestörten Zuckerstoffwechsel lassen sich auf das Jahr 1550 vor Christus datieren. Bereits im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurden die Hauptsymptome des Diabetes hervorragend beschrieben. Im 17. Jahrhundert entdeckte Thomas Willis den süßen Geschmack des Urins und den Zusammenhang mit dem Blutkreislauf.

Die Bezeichnung hat dort ihren Ursprung: Das Wort Diabetes bedeutet soviel wie "durchfließen" und mellitus umschreibt das "süße, honigartig Schmeckende".

Heute hat die Medizin verschiedene Ursachen für die Störung entdeckt und unterscheidet so genannte Diabetestypen. Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgeschlagenen Definitionen der Diabetestypen 1 und 2 sind allgemein akzeptiert. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit haben alle Diabetestypen ein gemeinsames und messbares Kennzeichen: die chronische Erhöhung des Blutzuckers bei den Betroffenen.

Die Anzahl der Erkrankten ist in vielen Ländern in den letzten 50 Jahren rasant angestiegen. Neben veränderten Ernährungs- und Lebensgewohnheiten spielen Erbfaktoren eine bedeutsame Rolle.

Glukosestoffwechsel

Insulin ermöglicht den Zellen, Glukose als Energielieferant aus dem Blut zu nutzen

Nahrung, die wir zu uns nehmen, wird bereits im Mund und dann im Dünndarm in einfache Zuckerbausteine aufgespalten. Dabei entsteht der Einfachzucker Glukose, der wichtigste Energielieferant für die Gehirn- und Muskelzellen. Er wird mit dem Blutkreislauf dorthin transportiert. Deshalb steigt der Zuckerspiegel im Blut bei jedem Menschen nach dem Essen an.

Bei Gesunden gibt die Bauchspeicheldrüse gleichzeitig eine genau dosierte Menge Insulin ab. Insulin ist ein Botenstoff (Hormon), der benötigt wird, damit die Körperzellen Glukose als Energielieferant aus dem Blut überhaupt nutzen können.

Der Schlüssel zur Energieproduktion

An jeder Außenhülle einer Zelle (der Zellmembran) befinden sich spezielle Empfänger (Rezeptoren). Das sind winzige Aufnahmeeinrichtungen, an die sich Botenstoffe heften, um Befehle an die Schaltzentrale der Zelle zu übermitteln. Insulin veranlasst, dass Glukose aktiv durch die Zellmembran in das Zellinnere transportiert wird. Dort erfolgt die „Verstoffwechselung“ zu Energie, damit jede Zelle ihre spezifischen biologischen Funktionen erfüllen kann. Bildhaft beschrieben öffnet Insulin die Zellen wie ein Schlüssel und wird dabei verbraucht. Glukose geht vom Blut in die Zellen über und der Blutzuckerspiegel sinkt wieder auf den Normbereich.